Goa ist nicht Grömitz.

Mein Bruder war neulich mit seiner Familie für einen Kurztrip in Grömitz. Und meine Mutter – sehr besorgt um ihre einzige Tochter – fragte mich daraufhin, ob ich nicht auch lieber nach Grömitz statt nach Goa reisen könne.

Nichts gegen Grömitz – aber der Dalai Lama sagt ja, man solle mindestens 1x im Jahr an einen Ort reisen, an dem man noch nicht war. Und Grömitz: da war ich schon!

 
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Indien steht schon länger auf meiner Reise-Wunschliste. Und nun kam die Chance, bei einem Yoga Teacher Training als Assistant-Teacher dabei zu sein und im Anschluss selbst noch an einem kleinen Training teilzunehmen. Yoga, Sonne und beides in Indien. Wie konnte ich da nein sagen?

Ich weiß gar nicht, warum immer alle „auf Goa“ sagen, denn Goa ist gar keine Insel. Goa ist der kleinste Bundesstaat Indiens und der perfekte Ort, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Goa liegt an der Westküste Indiens am Arabischen Meer und weil der Bundesstaat bis 1965 portugiesische Kolonie war, spürt man hier neben Indien-Vibes auch viele europäische Einflüsse. Ich jedenfalls war schon verwundert (äh... hätte ich vorher mal einen Reiseführer lesen sollen? ;-)), dass ich hier mehr Kirchen als Tempel gesehen habe. Denn während das restliche Indien überwiegend vom Hinduismus geprägt ist, ist Goa sehr christlich. Überhaupt konnte ich die Frage, ob ich mir Indien so vorgestellt hätte, oft nur mit „nein“ beantworten. Klar laufen hier Kühe auf der Straße rum und verursachen Staus, was niemanden stört oder wundert – aber Indien und den viel zitierten Kulturschock hatte ich mir anders vorgestellt.

Die Yoga-Szene in Goa ist sehr ausgeprägt, was vielleicht auch die vielen veganen Superfood-Cafés erklärt – wobei ich mich mehr auf die indische Küche gestürzt habe. „Mein“ Yoga-Training fand direkt am schönen Ashwem Beach statt. Einem von vielen Yoga und Teacher Training Angeboten entlang der gesamten Küsten Goas.

 
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Ich kam an einem Wochenende an, das ich ohne Yogastunden nutzen wollte, um mich erstmal mit meiner Umgebung vertraut zu machen. Das hatte viel mit Sonnencreme, Kokosnüssen und Badewannen-warmem Wasser zu tun. Und alle die denken „bei der Hitze kann man ja nix essen“ kann ich beruhigen: das geht sehr gut. Die Essens- und Gewürzvielfalt in Indien ist wirklich der Wahnsinn. Es schmeckt einfach alles und meine neue Leidenschaft heißt „garlic-cheese-naan“!

Entspannt angekommen ging meine Assistenz des Teacher Trainings dann immer morgens um 7 Uhr mit Meditation und Atemübungen los. Gefolgt von einer zweistündigen Praxis, bei der ich entweder assistiert oder aber auch mal selbst mitgemacht habe. Die Trainees hatten nach dem dann folgenden Frühstück (auch sehr lecker) einen Theorie-Teil, wo ich mich dann schon mal in die Wellen stürzen konnte. Ob der Hitze war die Mittagspause für alle immer schön lang und ausgedehnt, sodass die Händler (Kokosnüsse, Malas und Saris) viel Zeit für Besuche hatten – was, besonders wegen meiner Kokosnuss-Dame aber mehr als erwünscht war.

Nachmittags war das Training dann eine Mischung aus Theorie, Praxis und Unterrichten üben. Sehr schön zu sehen, wie so viele neue Yogalehrer sich weiter entwickelt, Hindernisse überwunden und Ängste besiegt haben. Eine Yoga-Lehrerausbildung ist immer sehr emotionsgeladen und eine Mischung aus Herausforderungen, Erfolgen, Lachen und Tränen. Aber spätestens als wir alle mit unseren schönen Blumenketten und weißen Kleidchen am Strand die vielen wunderbaren Neu-Lehrer gefeiert haben, waren Schweiß, Muskelkater und das Lernen vergessen und wurden von strahlenden Augen abgelöst. Und nicht nur die Trainees haben neue Dinge gelernt – auch ich konnte mein Wissen in den zwei Wochen mehr als ausbauen. Es heißt ja nicht umsonst „always be a student“. Und so gab es viele „firsts“ für mich: Mentorin sein, Wissen auf Englisch vermitteln, Acro-Yoga... auch ich war am Ende erfüllt von Dankbarkeit.

Am Tag der Feierlichkeiten haben wir übrigens gleich 2x gefeiert. Die Trainees – aber auch Holi – das Fest der Farben. Ihr kennt es sicher, diese vielen Farben und Events gibt es ja mittlerweile auch in Deutschland. In Goa wird es eigentlich nicht besonders gefeiert, da es ja ein hinduistisches Fest ist. Aber für uns Touristen wurden schöne Farben besorgt, die wir natürlich auch ordentlich eingesetzt haben.

Weil ich vorher aber so viele Geschichten über „Farben die sich nicht von Haare und Haut entfernen lassen“ gehört habe, bin ich mit viel Kokosöl auf Haut und Haaren in die Farbschlacht spaziert und hatte riesigen Spaß. ;-)

Mein eigenes Training ging dann einen Tag später los: Yin & Ayurveda. Beides spannende Themen, über die ich gern ein anderes Mal mehr berichte, wenn ihr mögt. Weil das Training immer erst eine Stunde später um 8 Uhr morgens losging, war ich vor Sonnenaufgang immer schon allein am Strand. Also fast allein. Denn was es in Goa auch wirklich viel gibt, sind Hunde. Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz eher bei Babies als bei Hunden aufgeht... und trotzdem schienen die Hunde in Goa ein Herz für mich zu haben, denn sie haben mich wirklich die ganze Zeit am Strand umgeben. Morgens beim Meditieren, bei den Sonnengrüßen, während der Mittagspause lagen sie unter meinem Tisch oder meiner Liege und zum Sonnenuntergang haben sie mir auch immer Gesellschaft geleistet. Ich war doch sehr überrascht, wie gut erzogen und auch schön gepflegt die Hunde waren. Meistens werden sie von den Restaurants, die sich am Strand befinden, versorgt.

Von meinem Ashwem-Strand-Kiez habe ich mich nicht besonders weit weg bewegt in den drei Wochen... wir waren ein paar Mal in Arambol, was am Strand ein ca. 1 stündiger Spaziergang ist. Dort kann man wirklich von Hippie-Szene sprechen. Und auch wenn dort viel mehr los war mit Strandständen, Trommelkonzerten und gutem Essen ab Sonnenuntergang, hat es mich dorthin eher wegen des guten Kaffees gezogen.

Neben Arambol waren wir an meinem Geburtstag abends noch auf dem Night Market in Anjuna. Diesmal nicht zu Fuß, sondern mit dem Roller bzw. Taxi. Auf dem Night Market kann man so ziemlich alles kaufen, was man sich vorstellen kann. Von Hippie-Goa-Kleidung über traditionelle indische Kleidung, gutes Essen, Touri-Geschenke, Traumfänger, Gewürze, Schmuck... und so wie einige dort aussahen, auch Drogen. Außerdem gibt es dort verschiedene Open-Air-Dancefloors, auf denen getanzt wird. Da kann man schon mal die Nacht zum Morgen machen... wenn man nicht um 7 Uhr am Folgetag meditierend auf der Yogamatte sitzen muss.

Eigentlich bin ich kein typischer Strand-Urlauber und daher war mir auch gar nicht bewusst, wie sehr ich das wärmende Meer und den Strand vermisste habe. Nie mehr als FlipFlops an den Füßen und oft nur Bikini und Tuch am Körper und immer Sand im Haar.

 
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Yoga mit Blick aufs Meer, lehren und lernen mit so vielen Herzensmenschen, chillen am Strand und lecker essen mit den Füßen im Sand – das war wirklich die perfekte Mischung für mich.

Wenn ich demnächst allerdings mal eben schnell Sand unter den Füßen benötige, fahre ich vielleicht doch kurz nach Grömitz.

ALLES LIEBE,

Eure Bessima

Source: beeAthletica

Bessima AghaComment